Denken
Philosophisch-poetische Essays
Neben der Lyrik schreibe ich essayistisch an der Grenze von
Philosophie und Dichtung — über Körper, Sprache, Erde, Berührung.
Die längeren Titel folgen unten; hier ein paar Passagen.
Gaia-Glottie
Gaia-Glottie ist ein Sprechen
in den vielfältigen Zungen der Erde:
den animalischen, pflanzlichen, mineralischen,
mikrobiotischen, myzelischen,
den wissenschaftlichen, literarischen
und poetischen.
Menschliches Sprechen ist dabei
keine einfache Mimesis,
sondern eine Form der Metexis:
eine Fortführung anderer Zungen
in menschlichen Zungen.
Gaia-Glottie versteht sich nicht
als Sprechen über oder für die Erde,
sondern als ein Sprechen
inmitten der Erde
als Erde.
aus Gaia-Glottie · 2025
Poetische Forschung
Poetische Forschung untersucht
die Bedeutungsschichten der Erde
in den Zeichenprozessen
einer Vielzahl von Wesen und ihrer Welten.
An der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst
nutzt sie poetische Praktiken
als Modi der Wissenserzeugung.
Sie ist geprägt von einer Haltung
des tiefen Lauschens,
der Achtsamkeit für die Komplexität
irdischer Ausdrucksformen
und dem Bemühen,
die vielfältigen Zungen der Erde
in menschliche Sprachen zu übersetzen.
aus Gaia-Glottie · 2025
Sprache als Weltbewegung
Sprache ist der Welt nicht fremd,
sie ist ihr eingeboren,
wie alle anderen dieser Formen,
die aus der Unendlichkeit emergieren
und wieder in sie eingehen.
In ihnen allen vibriert das Innerste des Universums,
eine Stille, die das Geräusch erzeugt,
das das Universum ist:
Gemurmel, Intensität, Geschwindigkeit,
Langsamkeit und Beschleunigung.
Sprache reduziert die Welt nicht,
tut der Andersartigkeit keine Gewalt an,
verfehlt sie nicht.
Sprache ist eine der vielfältigen Formen,
durch die die Welt sich fortsetzt,
auf immer andere Weise.
aus Fenster, Feuer, nackte Fabeln · 2026 erscheint
Körper als Schwarm
Doch mein Körper, dieses herrliche Labyrinth —
nie war er fest, gebaute Struktur,
sondern immer in Bewegung,
ein Ereignis, vollzogen im Dazwischen,
der Umriss eines Bienenschwarms,
mit fluktuierenden Rändern, offenen Grenzen.
Mein Körper ist ein Schwarm von Lebendigkeit,
und es macht mich so müde,
alles in Stücke zu schneiden,
in immer kleinere Einheiten zu untergliedern.
Wenn ich mir selbst beweisen will, dass ich existiere,
dann nicht, indem ich Ich sage,
sondern indem ich mit diesem Moment beginne,
mit dem Tanz meines Körpers
und wie ich ihn bewohne.
aus Erde & Eros. Eine planetarische Philosophie · Manuskript 2023